27. Aug, 2016

Freunde fürs Leben

Menschen in Palliativbetreuung wurden in ihrer letzten Lebensphase, also kurz vor dem Tod, befragt, was sie für ihr Leben am meisten bedauerten.

Viele antworteten: "Hätte ich mir nur mehr Zeit genommen für meine Familie und meine Freunde. Hätte ich dafür nur weniger gearbeitet."

Genau dieser Punkt hat mich als Praxisinhaber oft bedrückt. Viele Kontakte im Adressenkalender, aber wenig Zeit, Freundschaften zu pflegen. Wir Menschen sind nicht dafür geschaffen, allein zu leben nur um zu funktionieren. 

Ich bin Gott sehr dankbar, dass wir jetzt seit unserem Umzug nach Oberbayern einige vernachlässigte Freundschaften auffrischen konnten.

Das fing schon in Gemünda an. Während des Abschiedsbesuches bei unseren Freunden Jürgen* und Maria* (* = Namen aus Datenschutzgründen geändert) sagte ich traurig: "Schade, Jürgen, dass wir Deinen Geburtstag nicht zusammen feiern können. Wir fliegen vor unserem Umzug noch eine Woche in Urlaub." "Wohin ?" "Nach Schweden zum Mittsommer. Stockholm." "Wir fahren auch in die Nähe von Stockholm, 2 Wochen." Also verabredeten wir uns zu viert zu einer gemeinsamen Bootsfahrt in Schwedens Hauptstadt. Zusammen besuchten wir das Schloß und den Park von Drottningholm, den Wohnsitz der Königsfamilie. Auch zur Feier des Geburtstags verbrachten wir einen ganzen Tag miteinander, genossen das Hier und Jetzt und redeten über Vergangenes und Zukünftiges.

Zwischen meinem 14. und 18. Lebensjahr hatte ich eine intensive Zeit. Nach meiner Konfirmation fragte ich nach dem Sinn des Lebens, hörte die Botschaft von Jesus neu und entschloss mich nach einigen inneren Auseinandersetzungen, mit Gott zu leben. Ein sehr wichtiger Begleiter in dieser Lebensphase war Harald*, unser Jugendkreisleiter, 10 Jahre älter als ich. Wir jungen Leute waren begeistert von ihm, weil er in jeder Hinsicht ein Vorbild war und nicht nur spannende Geschichten erzählen konnte, sondern ein Leben voller Abenteuer mit Gott führte. Auch seine spätere Frau Christine* lernten wir kennen. Nachdem wir uns über 35 Jahre nicht gesehen hatten, erfuhr ich von Haralds* Verabschiedung nach 25 Jahren Dienst beim Blauen Kreuz Ansbach im Advent 2013. Gemeinsam mit meinem Schulfreund Christian, Pfarrer in Rheinland-Pfalz, fuhren wir zur Abschiedsfeier nach Ansbach. Wir waren sofort wieder auf einer Wellenlänge und führten vertraute Gespräche, als ob wir uns erst gestern voneinander verabschiedet hätten. Harald* und Christine* leiten jetzt kommissarisch ein Freizeitheim mit Hotel am Ammersee. Von Ruhestand ist keine Rede. Anke und ich haben uns vor kurzem in München mit ihnen getroffen, und es war einfach gut, sich auf persönlicher und geistlicher Ebene auszutauschen.

Ende Juli erhielt Anke einen Anruf: "Hier sind Matthias* und Magdalena* aus Duisburg, wir machen gerade eine Woche Urlaub in München, habt ihr Zeit, uns zu treffen ?" Wir hatten uns seit ihrer Hochzeit 1990 nur selten gesehen, und Magdalena* ist Ankes beste Freundin und unsere Trauzeugin, gleichzeitig Patentante underer ältesten Tochter Judit, die den Kontakt per WhatsApp aufrechterhalten hatte. Wir gingen zu viert ins "Bohne und Malz" in der Herzogspitalstrasse, ganz in der Nähe hatte unsere Tochter Sara ihr erstes Zimmer in München während der Hotelfachausbildung. Auch hier war das Schöne, dass wir nicht nur über Alltägliches redeten, sondern über Dinge, die uns im Innersten bewegen. Über gute und böse Tage. Über Gott und diese Welt. Fazit: Es baut uns selbst auf, wenn wir Zeit mit Freunden verbringen, die uns gut tun.