7. Okt, 2015

Henning Mankell

Henning Mankell wurde am 3.2.1948 in Stockholm geboren. Er starb gestern, am 5.10.2015 in Göteborg an einer Krebserkrankung.

Ich halte Henning Mankell für einen der besten Schriftsteller unserer Zeit. In den Sommerferien 2004 kaufte ich meinen ersten Wallander-Kriminalroman, und in den folgenden Jahren las ich fast alle Bücher, ich konnte mich von den spannenden, authentischen und gut recherchierten Geschichten kaum lösen. Im August 2015 während unseres Südschweden-Urlaubs bin ich einen Tag lang durch Ystad gestreift und habe mir die Orte der Verbrechen angesehen. Heute kann ich mir die Szenen viel besser plastisch vorstellen, wenn ich Kommissarie Wallander als Hörbuch höre, natürlich im schwedischen Original.

Henning Mankell hat mein Interesse an Schweden geweckt, und seit ich das Land erstmals 2008 bereiste, bin ich begeistert. Die riesigen Wälder, klaren Seen, atemberaubenden Schärenküsten. Und Schweden bietet einen gewaltigen Reichtum an Kultur, Literatur, Film und Kunst. Ich wollte 2011 sogar dorthin auswandern. Das ging nicht aus finanziellen und familiären Gründen. Aber mindestens einmal im Jahr mache ich dort Urlaub, am liebsten mit Frau und Kindern.

Am besten gefällt mir Henning Mankells Buch "Italienska Skor" = "Italienische Schuhe" aus dem Jahr 2006. Es handelt von einem Arzt und Chirurgen, der nach einem folgenschweren Kunstfehler - er amputierte einer vermeintlich krebskranken jungen Frau den gesunden Arm - seinen Beruf aufgab und sich auf eine einsame Schäreninsel zurückzog. Dort besuchen ihn dann nach und nach einige Menschen, denen er früher schon einmal begegnet war, zu denen der Kontakt abgebrochen war, und seine Tochter, von deren Existenz er nichts ahnte. Die Tochter bringt ihm als Geschenk maßgeschneiderte italienische Schuhe mit.

Obwohl Henning Mankell kein gläubiger Christ war, so hatte er doch keine Berührungsängste mit der Religion. In seinen Romanen tauchen freikirchliche Pastoren und gläubige Menschen auf, die angesichts schwerer Verbrechen mit Gott hadern. Bevor Anke und ich 2014 anlässlich unserer silbernen Hochzeit nach Uganda reisten, lasen wir Mankells Buch "Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt" (dtv 2006). Dort ist das Erinnerungsbuch von Christine Aguga, ein Vermächtnis an ihre Tochter veröffentlicht. Christine ist tief gläubig, lebt mit Jesus und weiss, dass sie an AIDS sterben wird. Da sie wegen ihrer Erkrankung ihr Kind nicht selbst bis zum Erwachsenwerden begleiten kann, gibt sie praktische Ratschläge, Erfahrungen und Überzeugungen mit auf den Weg. Sehr ergreifend.