2. Okt, 2015

Nomen est Omen

"Name ist Schall und Rauch" sagte Goethes Faust. Ich bin überzeugt: Das Gegenteil ist richtig. Nomen est omen. Das lateinische Sprichwort lautet wörtlich übersetzt etwas holprig: Der Name ist eine Vorbedeutung. Anders ausgedrückt: Der Name sagt etwas aus über Charakter und Wesen einer Person. 

Ich heiße Stefan. Viele Männer meines Jahrgangs 1958 heißen Stefan. Das war seinerzeit ein beliebter Vorname. Einmal hatte ich in meiner Schulkasse 3 Stefans. "Stephanos" ist altgriechisch und bedeutet "Krone, Siegerkranz". Bei den ersten olympischen Spielen gab es statt Goldmedaillen Siegerkränze. Obwohl es manchmal nicht danach aussieht, bin ich ein Siegertyp. Der erste Mann mit dem Namen Stephanos, der größere Bekanntheit erlangte, war ein "Mann voll Glaubens und heiligen Geistes", der sich um die Versorgung benachteiligter hellenistischer Witwen kümmerte. Er wird uns in der Bibel in Apostelgeschichte 6 vorgestellt. Weil er ein kompromißloser Streiter für die Botschaft von Jesus war und kein Blatt vor den Mund nahm, wurde er, wie in Apostelgeschichte 7 berichtet wird, zu Tode gesteinigt. Er starb mit dem Gebetsschrei: "Herr, rechne ihnen diese Verfehlung nicht an !" (Apostelgeschichte 7, 60). Das sind ganz schön große Spuren, die dieser Mann hinterlassen hat. Mir gefällt vor allem, daß er eine soziale und missionarische Berufung hatte und daß er ein scharfer Denker war.

Ich habe noch einen zweiten Vornamen: Randolf, den Namen meines leiblichen Vaters. Randolf ist althochdeutsch und bedeutet "Schild-Wolf" (Weitershaus, Das neue Vornamenbuch, Orbis Verlag). Hat also etwas mit Kampf und Stärke zu tun. Das spornt mich an, denn ich bin von Natur aus eher feige.

Schwieriger zu erklären ist mein Familienname Hänisch. Namensforscher behaupten, es gebe weltweit nur vier Herkunftsvarianten für Familiennamen: 1. Ableitung von Vornamen, z.B. schwedisch Andersson = Sohn des Andreas oder türkisch Davutoglu = Davidssohn. 2. Eigenschaften einer Person, z.B. Kurz, Fröhlich, Rubio (spanisch, bedeutet blond). 3. Berufsbezeichnungen, z.B. Fischer, Müller, Bader. 4. Herkunftsbezeichnungen, z.B. Bayer, Fries, Unger. Ich vermute, dass der Name Hänisch zur 1. Kategorie gehört. Es klingt so ähnlich wie "Hennig", und das ist eine mundartliche Kurzform von Johannes. Also ist Hänisch ein verkappter möglicherweise aus dem schlesisch-slawischen Raum stammender Johannes, den es durchaus auch als Familiennamen gibt. Johannes ist die griechische Variante des hebräischen Johanan, und das bedeutet: Gott der Herr ist gnädig. 

Also weist mein Name auf genau das hin, was Paulus im 1. Korintherbrief (15, 10) von sich sagt: "Durch Gottes Gnade (Geschenk) bin ich, was ich bin."